
Upgefahren – CILO Trail-Logbuch #08
Von Arosa über das Rothorn zurück nach Arosa
45 Kilometer, 2.200 Höhenmeter bergab, ein Tag. Das Bike Kingdom verbindet Arosa, Lenzerheide und Chur mit 12 Bergbahnen und über 900 Kilometern Trails. Die CILO Crew erlebt eine besondere Wetterlage: unten dichtes Nebelmeer, oben strahlend blauer Himmel. Von Arosa über hochalpine Uphill-Trails zum Rothorn, durch die Mondlandschaft des "Dark Side of the Moon“ und über den legendären Älplisee Trail zurück nach Arosa.
Über den Wolken
Arosa, 5:45 Uhr. Sophie klingelt uns aus den Betten.
Durch die Gegensprechanlage ruft sie nach oben: "Inversionswetterlage, Leute. Wir müssen uns beeilen!" Sie lebt hier in Arosa, arbeitet im Tourismusverein und kennt die Region wie ihre Westentasche. Sie hatte in aller Frühe den Wetterbericht gecheckt und erkannt, dass heute ein besonderer Tag wird.
Plötzlich wuseln alle wie die Ameisen durch die Wohnung: Liesl, Lilly, Pirmin, Bengt, Jens, Markus und ich. Wir haben nicht ausreichend Bäder. Was solls: rein in die stinkigen Schoner vom Vortag und runter in den Bike-Keller.
30 Minuten später stehen wir abfahrbereit vor dem Apartmenthaus. Die Luft ist kalt und klar. Noch liegt der Ort in der Dunkelheit, doch in der Ferne lässt sich das Licht der aufgehenden Sonne erahnen.

Sophie führt uns entlang des Obersees, hoch durch eine Siedlung und raus aus dem Ort. Wir biegen ein auf den Uphill-Trail strampeln in Richtung Weisshorn.
Nach knapp 20 Minuten eröffnet sich uns ein gigantischer Anblick. Wir blicken runter ins Rheintal. Theoretisch zumindest. Denn den Talboden sehen wir nicht. Das Tal ist bedeckt von einer dichten Wolkendecke, die wie eine endlose weiße Fläche erscheint.
Inversionswetterlage. Die kalte Luft sitzt unten fest, die warme liegt darüber wie ein Deckel. Oben Sonne, unten Wolken. Und wir mittendrin, genau an der Grenze. Wow, murmelt Bengt.
In der aufgehenden Sonne strampeln wir den Berg hinauf. Die E-MTBs machen genau das möglich, wofür sie gebaut wurden: uns hierher zu bringen, ohne uns leer zu fahren.

Das Bike Kingdom
Arosa und Lenzerheide sind durch gigantische Berge getrennt und gehören dennoch zum Bike Kingdom, dem größten zusammenhängenden Bike-Gebiet der Schweiz. 12 Bergbahnen verbinden drei Regionen.
Das Besondere: In Graubünden ist jeder Wanderweg auch MTB-Trail. Was nicht ausdrücklich verboten ist, ist erlaubt. Trail-Toleranz als gelebte Praxis.
Wir steuern die Gipfelstation der Hörnlibahn an. Die Auffahrt ist perfekt für E-MTB: steil genug für die Motoren, aber nie so verblockt, dass man schieben muss. Die aufrechte Sitzposition der CILO Bikes hält die Traktion auf losen Steinen perfekt.
Oben auf dem Hörnligrat liegt ein prächtiges Panorama vor uns: Piz Kesch, Piz Palü, Piz Mitgel, der Tödi. Auf 2.500 Metern präsentiert sich die Bündner Bergwelt in 360 Grad.

Das Urdental
Von der Hörnlihütte führt der Urdental Trail nach Lenzerheide. Was als schöner Trail beginnt, wird anspruchsvoller. Wir queren alpine Geröllfelder, die an Mondlandschaften erinnern.
Das Bike Kingdom ist mehr als ein Bikepark: ein Netzwerk aus Trails, die der Topografie folgen. Von geshapten Lines bis hin zu rustikalen Bergpfaden aus vergangenen Jahrhunderten. Trail-Recycling in seiner ehrlichsten Form.
Der Anstieg zum Urdenfürggli auf 2.546 Metern fordert uns. Steile Rampen, lose Steine. Gelingt uns eine Schlüsselstelle nicht ohne Fuß abzusetzen, machen wir sie erneut.

Lenzerheide Bikepark
Vom Sattel aus tauchen wir ein in den Urdenfüggli Twister: technisch, aber nie überfordernd. Wurzelpassagen wechseln sich mit flowigen Abschnitten ab. Bevor wir weiter ins Tal gleiten, nehmen wir noch einen steilen Uphill zum Great White.
Der Great White ist rustikaler Trail mit anspruchsvollen Felspassagen. Rohes, ehrliches Mountainbiken. Der Trail fordert volle Aufmerksamkeit, schwierig bei der atemberaubenden Naturkulisse.
Dann der Motta Express: schneller, direkter, mit natürlichen Sprüngen. Die Bike Attack Traverse verbindet die Parkstrecken. Wir gleiten durch Anliegerkurven ins Tal. Das Nebelmeer unter uns beginnt sich aufzulösen.
Unten im Tal taucht der Heidsee zwischen den Nebelfetzen auf. Da wollen wir hin. Wir nehmen die FLOWline: blau eingestuft, geschmeidige Kurven, entspanntes Gleiten bis zur Talstation.

Mittagspause
An der Talstation gönnen wir uns ein Mittagessen. Jens bestellt eine Bratwurst, Lilly einen Salat, ich nehme einen Bündner Burger. Die Bikes lehnen an der Wand, die Sonne wärmt uns im Gesicht.
Das Bike Kingdom ist perfekt erschlossen, sagt Sophie. Zwölf Bergbahnen, und alle nehmen Bikes mit. Du kannst hier ein verlängertes Wochenende verbringen, ohne denselben Trail zweimal zu nehmen.
Jetzt kommt das Highlight, sagt Sophie. Das Rothorn.

Das Parpaner Rothorn
Rothorn 1 Gondel zur Mittelstation, dann Rothorn 2 bis zum Gipfel auf 2.837 Meter. Oben stehen wir in einer anderen Welt: surreale Mondlandschaft, loses Gestein, große Felsblöcke, endloser Himmel. Kaum Vegetation.
Hier oben, sagt Sophie, beginnt der Dark Side of the Moon Trail.
Der Trail wurde 2024 vom Team Hello Allegra mit einem 1,8-Tonnen-Bagger gebaut. Eine Route, die perfekt ins Gelände passt. Kein Sprengen, keine Anlieferung fremden Erdreichs. Alles aus lokalem Material, die alpine Vegetation behutsam verschoben.

Dark Side of the Moon
Vom ersten Meter an sagt der Name alles. Surreale Landschaft aus losem Gestein, großen Felsblöcken, weiten Ausblicken. Lunar, nicht alpin. Rockiger Flow über glattgeschliffene Felsplatten, durch geschickt gelegte Kurven, über poppige Sprünge. Perfekt geformte Anlieger fügen sich ins Gelände. Alles folgt der Logik des Berges.
Rot eingestuft, mit garstigen Sektionen und optionalen Linien. Der Fokus liegt auf Flow, auf Momenten, in denen man die Bremsen loslässt. Das Kyano HC surft über die Felsen. Der kompakte Hinterbau reagiert direkt, die 160 Millimeter Federweg schlucken die Schläge mühelos. Nach 3 Kilometern spuckt uns der Trail am Gredigs Fürggli aus. Wir nehmen den Älplisee Trail.

Die Königsklasse
Der Älplisee Trail gilt als Königsklasse im Bike Kingdom. Hochalpiner Singletrail, technisch anspruchsvoll, unvergessliches Bergerlebnis. Flowig durch das Schafälpli-Tal, über weiche Almwiesen, vorbei an grasenden Schafen. Die Sonne steht tief, das Licht wird golden.
Dann der Älplisee: kristallklar, umgeben von schroffen Felswänden. Einer der schönsten Bergseen der Schweiz. Wir halten kurz an. Die Stille hier oben ist absolut.
Nach dem See wird es ernst. Schmale, steile Steinpassage mit engen Kehren. Die Felsbrocken liegen wie Stufen, die Kurven so eng, dass man das Vorderrad präzise setzen muss. Das tiefgezogene Oberrohr der CILO Bikes schenkt Bewegungsfreiheit und Sicherheit. Lilly fährt voran, sauber und verspielt. Liesl folgt, konzentriert und versucht sich an den direkten Linien über ein paar Absätze. Pirmin nimmt eine andere Linie: noch direkter, noch mehr Risiko. Der letzte Abschnitt wurde 2024 neu gebaut, vollständig vom Wanderweg getrennt. Der Trail wird flowiger, mündet in den Hörnli Trail.

Der Hörnli Trail
7 Kilometer, 113 Kurven. Wir lassen die Bremsen los und surfen. Kurve um Kurve, Anlieger um Anlieger. Das Tanay HC und das Kyano HC: zwei Bikes, eine DNA. Schweizer Präzision, auf das Wesentliche fokussiert.
Unten spuckt uns der Trail am Obersee aus. Wir rollen zurück zum Apartment, die Bikes schmutzig, die Gesichter lächelnd. Sophie fährt in unserer Mitte: War es das frühe Aufstehen wert? Pirmin nickt. Definitiv. Über den Wolken, sage ich. Wir waren über den Wolken.

Die Fakten
- Strecke: Arosa – Uphill Weisshorn – Hörnli – Urdental Trail – Urdenfürggli – Great White – Bike Kingdom Park Lenzerheide – Rothorn – Dark Side of the Moon – Älplisee Trail – Arosa
- Distanz: ca. 45 km
- Höhenmeter: 1.400 hm bergauf, 2.200 hm bergab
- Schwierigkeit: S2–S3 (technisch anspruchsvoll, konditionell moderat durch Liftunterstützung)
- Bikes: CILO Tanay HC (All Mountain, 140 mm, Shimano EP801), CILO Kyano HC (Enduro, 160 mm, Shimano EP801)
- Bergbahnen: Weisshorn Speed Lift, Hörnli Express, Urdenbahn, Rothorn 1, Rothorn 2
- Einkehr: Hörnlihütte (ab Juli geöffnet), Bike Kingdom Park Talstation, Panoramarestaurant Rothorngipfel
- Besonderheit: Inversionswetterlage im Herbst, "Dark Side of the Moon" Trail auf 2.837 m, Trail-Toleranz in Graubünden
- Bestes Szenario: Verlängertes Wochenende mit der Bike Kingdom Liftkarte für alle Lifte. Ideal für Trail-Vielfalt und hochalpines Erlebnis.