Arosa: Wo E-Mountainbiker ankommen

E-Mountainbiken in Arosa: Hörnli Trail, Älplisee-Königsklasse, Arosa Bärenland, Walser-Dorf Medergen. Geheimtipps für E-MTB-Touren im Bike Kingdom.

Fotos: Bengt Stiller, Markus Greber

Am Ende des Schanfigg-Tals, auf 1.775 Metern, liegt ein Ort, der anders ist. Kein Durchgangsverkehr, keine Hektik, nur Berge, Seen und Trails. Arosa ist die kleine Schwester im Bike Kingdom, die kaum ein Biker auf dem Radar hat. Genau deswegen lohnt sich der idyllische Bergort.

Von hochalpinen Uphill-Trails über familienfreundliche Flowlines bis zu versteckten Walser-Dörfern, von Bären-Begegnungen bis zu Josper-gegrillten Steaks am Bahnhof. Arosa bietet mehr, als man auf den ersten Blick sieht. Und E-Mountainbiker entdecken hier eine Region, die gemacht ist für längere Touren, steilere Aufstiege und tiefere Einblicke.

Die Trails: Von Flow bis Furcletta

Arosa ist kein klassischer Bikepark. Arosa ist ein Trail-Netzwerk, das sich über Jahrhunderte alte Säumerwege legt und moderne Flowlines mit hochalpinen Passagen verbindet. Wer hier fährt, dreht keine „Laps“. Wer hier fährt, erkundet.

Der Hörnli Trail ist das Aushängeschild. 7 Kilometer, 113 Kurven, blau eingestuft. Ein Flowtrail, der von der Hörnli-Bergstation ins Tal gleitet und dabei jeden mitnimmt. Familien fahren ihn genauso wie Enduro-Profis, nur eben mit unterschiedlicher Geschwindigkeit. Der Trail folgt der Topografie, nie zu steil, nie zu flach, immer im Flow. An der Bergstation wartet das Skill Center mit Zauberteppich, wo Kinder und Einsteiger ihre ersten Kurven üben können.

Wer es anspruchsvoller mag, nimmt den Älplisee Trail. Die Königsklasse im Bike Kingdom. Der Trail verbindet Lenzerheide mit Arosa über einen hochalpinen Singletrail, der technisches Können verlangt. Nach dem kristallklaren Älplisee, einem der schönsten Bergseen der Schweiz, wird es ernst: schmale, steile Steinpassagen mit engen Kehren, Felsbrocken wie Stufen übereinander, präzise Linienwahl notwendig. Der letzte Abschnitt wurde 2024 neu gebaut und vom Wanderweg getrennt. Keine Konflikte mehr, nur noch reines Bike-Vergnügen.

Der Älplisee Trail führt zu einem der schönsten Bergseen der Schweiz.

Und dann gibt es die Furcletta-Tour. 14 Kilometer Singletrail, hochalpin, technisch. Laut Erfahrungsberichten rechnet man mit etwa 1,5 Stunden schieben und tragen. Mit dem E-MTB deutlich weniger. Die Tour führt zu einsamen Berggipfeln, wo nur Murmeltiere und Steinböcke die Stille brechen. Unberührte Landschaft, atemberaubende Abgeschiedenheit, nichts für Einsteiger. Aber genau das, wofür E-Mountainbikes gebaut wurden: Zugang zu Orten, die sonst zu weit, zu steil, zu anstrengend wären.

Für Enduro-Enthusiasten gibt es die Arosa Bahnentour. 125 Kilometer, knapp 14.000 Tiefenmeter, verteilt auf zwei Tage. 15 Bergbahnfahrten, kein Trail wird zweimal gefahren. Die Tour fasst die Highlights des gesamten Bike Kingdom zusammen und endet spektakulär mit der Abfahrt vom Hörnli nach Chur. 2.000 Tiefenmeter am Stück, von technisch und verblockt zu schnell, direkt und flowig.

Das Besondere in Arosa: Trail-Toleranz. In Graubünden ist jeder Wanderweg auch MTB-Trail. Was nicht ausdrücklich verboten ist, ist erlaubt. Diese Offenheit macht Arosa zu einem Paradies für Explorer, nicht für Sammler, die nur Tiefenmeter ballern wollen. Hier zählt man keine Trails, hier erlebt man sie.

Ein Ort für Abenteurer und Entdecker.

Das Dorf: Mehr als nur Durchgangsstation

Mitten in Arosa liegen zwei Seen. Der Obersee, 1.734 Meter hoch, direkt am Bahnhof. Der Untersee, 43 Meter tiefer, mit Strandbad und warmem Wasser. Im 19. Jahrhundert badeten die Damen im Obersee, die Herren im Untersee. Heute kann jeder wählen. Am Obersee werden Ruderboote, Pedalos und Stand-up-Paddles verliehen. Im Winter wird die Eisfläche freigegeben, wenn die Bedingungen passen.

Der Name Arosa kommt aus dem Romanischen und bedeutet "Altes Moor". Ursprünglich war das Gebiet rätoromanisch besiedelt, bevor im 13. Jahrhundert die Walser aus dem Wallis einwanderten und das Tal zur Dauersiedlung aufwerteten. Ihre Spuren sind überall sichtbar: in den dunklen Holzhäusern, in den steilen Dächern, in den engen Gassen.

Wer Arosa mit der Bahn erreicht, nimmt die spektakulärste Anreise. Der Arosa Express schlängelt sich von Chur durchs Schanfigg-Tal, über Viadukte, durch Tunnels, immer höher. Die Fahrt ist Teil des Erlebnisses. Und nachhaltiger als jede Autofahrt.

„Altes Moor“ – Arosa leitete sich einst aus dem Romanischen ab.

Arosa Bärenland: Die ungewöhnliche Attraktion

Auf 2.000 Metern, unterhalb der Weisshorn-Mittelstation, liegt das Arosa Bärenland. 2,8 Hektar Gehege für gerettete Bären aus schlechten Haltungsbedingungen. Ein Tierschutzprojekt der Organisation VIER PFOTEN, realisiert in Zusammenarbeit mit Arosa Tourismus.

Der erste Bewohner war Napa, ein Zirkusbär aus Serbien. Er zog im Juli 2018 ein und lebte hier bis November 2020, bevor er an Epilepsie verstarb. Napa wurde zum Symbol für Tierschutz in den Alpen. Im Februar 2019 folgten Amelia und Meimo, zwei Geschwister aus einem albanischen Restaurant. Heute leben vier Bären im Arosa Bärenland: Amelia, Meimo, Sam und Jamila.

Die Besucherplattform bietet Ausblicke auf die Bären und das Bergpanorama. Informationstafeln erklären die Geschichten der Tiere, das Thema Tierschutz, das natürliche Verhalten von Bären. Für Kinder gibt es Bären-Minigolf, einen Erlebnisspielplatz und den Abenteuerweg mit acht Aussichtsplattformen, die über Hängebrücken verbunden sind.

Das Bärenland ist kein Zoo. Die Bären können nicht ausgewildert werden, sie haben die Angst vor Menschen verloren. Aber hier, auf fast drei Hektar naturnahem Gelände, können sie ein artgerechtes Leben führen. Im ersten Jahr fiel Napa in eine Winterruhe, ein Zeichen von Wohlbefinden, das nur bei entsprechender Lebensqualität auftritt.

Der Bär prägt Arosa wie kein anderes Tier.

Einkehr: Vom Josper-Grill bis zum Walser-Dorf

Nach einem langen Tag auf dem Trail braucht man einen Ort, der mehr bietet als nur Essen. In Arosa gibt es einige davon.

Der Güterschuppen am Bahnhof ist so ein Ort. Ein denkmalgeschütztes Gebäude, über 100 Jahre alt, umgebaut zu einem Gastronomiebetrieb, der regionale Küche mit internationalen Einflüssen verbindet. Küchenchef Martin Völker und sein Team setzen auf Feuer und Rauch: Der Josper-Grill erreicht bis zu 350 Grad und verleiht den Gerichten den charakteristischen Geschmack. Offene Küche, lange Bar, gemütliche Lounge mit Cheminée. Am Wochenende Live-Musik. Das Restaurant liegt direkt am Bahnhof, mit Blick auf den Obersee und die umliegenden Berge. Die Küche trägt das Label "Fait Maison", das Restaurants auszeichnet, die ihre Speisen größtenteils selbst zubereiten. Regional, frisch, transparent.

Die perfekte Location um einen langen Tag auf den Trails ausklingen zu lassen. Der Güterschuppen.

Am Berg gibt es die Tschuggenhütte im Tschüggendörfli. Große Sonnenterrasse, heimelige Skihütte, regionale Frischprodukte. Das Rindfleisch kommt von Landwirten aus Chur und Umgebung, die Rinder verbringen den Sommer auf den Alpen in Arosa. Die Fleisch-Philosophie ist Ausdruck der Verbundenheit mit der Region, mit ihrer Tradition und ihren kulinarischen Schätzen. Regional, natürlich, nachhaltig.

Daneben steht die KuhBar, die sich selbst als "bester Après-Ski in Graubünden" bezeichnet. Im Sommer verwandelt sie sich in Après-Bike. Ab 14 Uhr DJs und Live-Acts, Drinks, Stimmung. Wer nach einem Trail noch Energie hat, ist hier richtig.

Und dann gibt es die Hörnlihütte. Regionale Spezialitäten ohne Geschmacksverstärker, gemütliche Schanfigger Stube, Sonnenterrasse mit Blick auf die Gebirgslandschaft rund um die Urdenbahn. Wer einen guten Platz möchte, sollte vorab reservieren.

Arosa gehört auf die Bucket-List von E-Mountainbikern. Also, los geht’s!

Geheimtipps: Wo Arosa wirklich besonders wird

Der beste Geheimtipp in Arosa ist ein Ort, den kaum jemand kennt: Medergen. Ein Walser-Dorf auf 2.000 Metern, nur im Sommer bewohnt, ein Maiensäss mit sonnengeschwärzten Holzhäusern, die dicht an dicht stehen. Die typischen Walserhäuser dürfen aus baurechtlichen Gründen weder Strom noch fließend Wasser haben. Sie werden teilweise noch als Maiensässbehausung genutzt, meist jedoch zu reinen Urlaubszwecken. Die Siedlung zählt zu den Langwieser Ortsbildern von nationaler Bedeutung.

Von Arosa nach Medergen führt ein Trail über den Grünsee und durch den Tiejerwald. Die Tour lässt sich perfekt mit dem E-MTB fahren: von Arosa zum Stausee, hoch nach Medergen, weiter zum Naturfreundehaus Medergerfluh auf 2.032 Metern (das höchstgelegene Naturfreundehaus der Schweiz), und über Trails zurück nach Arosa. Unterwegs gibt es das Bergrestaurant Alpenrose in Medergen, das nur in der Sommersaison geöffnet ist, von Mitte Juni bis Oktober.

Medergen darf bei einem Arsoa-Aufenthalt nicht fehlen.

Die Route ist Teil des Schanfigger Höhenwegs, einem Weitwanderweg, der sich durch das gesamte Tal zieht. E-Mountainbiker können große Teile davon fahren und erleben dabei eine Landschaft, die sich seit Jahrhunderten kaum verändert hat. Almwiesen, Lärchenwälder, Bäche, Kuhglockengebimmel.

Ein weiterer Geheimtipp ist der Eichhörnliweg. 2 Kilometer von Arosa nach Maran, durch ein Waldgebiet, wo man zahme Eichhörnchen füttern kann. Informationstafeln vermitteln spannende Einblicke in die Lebensweise der Nagetiere, kindgerechte Rätsel testen das Wissen. Kein Trail für Geschwindigkeit, aber ein Trail für Momente.

Und wer früh aufsteht: Die Luftseilbahn Arosa-Weisshorn bietet Sonnenaufgangsfahrten an. Oben auf dem Weisshorngipfel auf 2.653 Metern erwartet einen ein gewaltiges 360-Grad-Bergpanorama. Die Sonne geht auf, die Täler liegen noch im Schatten, die Gipfel leuchten golden. Dann hinab über Trails, während die Welt langsam erwacht.

Tolle E-Mountainbike-Tour von Medergen über das Naturfreundehaus runter nach Arosa.

Warum Arosa für E-Mountainbiker funktioniert

Arosa ist keine Destination für Liftjunkies. Arosa ist eine Destination für E-Mountainbiker, die längere Touren fahren wollen, die Uphills als Teil des Erlebnisses sehen, die abseits der ausgetretenen Pfade fahren.

Die Uphill-Trails sind perfekt für E-MTB: steil genug, um den Motor arbeiten zu lassen, aber nie so verblockt, dass man schieben muss. Die aufrechte Sitzposition der CILO Bikes hält die Traktion auf losen Steinen perfekt. Der Motor schenkt Bewegungsfreiheit: Medergen, Furcletta, Hörnli, Älplisee, alles an einem Tag, wenn man will. Oder verteilt auf mehrere Tage, mit Zeit für Einkehr, für Bären, für Eichhörnchen.

Arosa liegt am Ende des Tals. Man fährt hin, um zu bleiben. Nicht, um durchzurauschen. Diese Ruhe macht den Ort besonders. Keine Hektik, keine Liftschlangen, keine überfüllten Trails. Nur Berge, Seen, Trails und die Gewissheit, dass hier oben die Zeit anders läuft.

Und wenn man abends im Güterschuppen sitzt, mit Blick auf den Obersee, während die Sonne hinter den Bergen versinkt, versteht man, warum Arosa funktioniert. Es ist kein Ort für laute Ansagen. Es ist ein Ort zum Ankommen.

Ein idyllischer und auch mystischer Ort: Arosa.

Die Fakten

Anreise:

  • RhB Arosa Express von Chur (spektakuläre Bahnfahrt durchs Schanfigg-Tal)
  • Autofreier Ort, Parkhäuser Obersee und Ochsenbühl

Bergbahnen:

  • Luftseilbahn Arosa-Weisshorn (bis 2.653m)
  • Hörnli Express

Trails:

  • Hörnli Trail: 7km, 113 Kurven, blau, Flow für alle
  • Älplisee Trail: Königsklasse, S3-S4, hochalpin
  • Furcletta-Tour: 14km, hochalpin, 1,5h schieben (weniger mit E-MTB)
  • Arosa Bahnentour: 125km, ~14.000 Tiefenmeter, 2 Tage
  • Weisshorn Trail: technisch, zurück nach Arosa
  • Medergen-Route: Walser-Dorf, Naturfreundehaus, Trails

Einkehr:

  • Güterschuppen: Am Bahnhof, Josper-Grill, regionale Küche, Blick auf Obersee
  • Tschuggenhütte: Regionale Frischprodukte, Fleisch von Arosa Alpen
  • KuhBar: Après-Bike ab 14 Uhr, DJs und Live-Acts
  • Hörnlihütte: Regionale Spezialitäten, Schanfigger Stube
  • Bergrestaurant Alpenrose (Medergen): Sommer-Saison, Mitte Juni bis Oktober

Highlights:

  • Arosa Bärenland (2.000m, VIER PFOTEN Tierschutzprojekt)
  • Obersee & Untersee (im Ortskern)
  • Medergen (Walser-Dorf, 2.000m, ISOS-Ortsbild)
  • Eichhörnliweg (2km, zahme Eichhörnchen)
  • Skill Center Hörnli (Zauberteppich, für Einsteiger und Kinder)
  • Naturfreundehaus Medergerfluh (höchstes Naturfreundehaus der Schweiz, 2.032m)

Best for:

  • E-Mountainbiker, die längere Touren mit Uphills fahren
  • Explorer, die abseits der Bikepark-Szene fahren
  • Familien (viele blaue Trails, Skill Center, Bärenland)
  • Genuss-Biker (Kulinarik, entspannte Atmosphäre, Walser-Kultur)
  • Enduro-Profis (Arosa Bahnentour, Älplisee Trail)

Besonderheit:

  • Trail-Toleranz: jeder Wanderweg ist MTB-Trail in Graubünden
  • Autofreier Ort, entspannte Atmosphäre
  • Nachhaltige Anreise mit RhB Arosa Express
  • Kombination aus Bikepark-Trails und hochalpinen Touren
  • Walser-Kultur: Medergen, Sapün, historische Dörfer
25.02.2026
Maxi Dickerhoff
Fotos: Bengt Stiller, Markus Greber